HOMÖOPATHIE VERSTEHEN

Vorwort

Meine erste Erfahrung mit der Homöopathie war die Behandlung meines Pferdes durch eine Heilpraktikerin vor 15 Jahre. Meine Stute litt zu diesem Zeitpunkt an einer chronischen Bronchitis und schwerem entzündlich, eitrigem Ekzem an allen vier Beinen und das seit einigen Monaten. Die Behandlungen durch den Tierarzt waren von nur geringem Erfolg und die Symptome kehrten rasch wieder, so das sogar mein Tierarzt einen Versuch mit Naturheilkunde empfahl. Damals stand ich der Homöopathie noch sehr skeptisch gegenüber und meinte wie noch immer einige Leute, dass es sich bei dieser Therapie um einen Plazeboeffekt handelt. Beim Plazeboeffekt soll durch die Gabe eines Scheinmedikamentes allein durch die Psyche ein Heilungsprozess angeregt werden. Nun ja, beim Tier gibt es diesen psychischen Effekt nicht. Demzufolge dürfte es ja nun beim Tier keine therapeutische Wirkung geben. Wie war ich aber erstaunt und schockiert, als es meinem Pferd ca. eine halbe Stunde nach dem es die erste homöopathische Mittelgabe erhalten hatte, richtig schlecht ging. Sollte das ein Zufall sein? Glücklicherweise hielt dieser Zustand nicht lange an und meine Heilpraktikerin erklärte mir, das es sich um eine Erstverschlimmerung, also eine überstarke Reaktion auf das Mittel handelte. Dank der homöopathischen Weiterbehandlung ist mein Pferd innerhalb von 2 Monaten völlig beschwerdefrei geworden.

Durch diese Erfahrung habe ich mich zunächst sehr intensiv mit der Homöopathie und anderen Naturheilverfahren befasst. 1997 habe ich dann eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin gemacht. Es folgten weitere Fortbildungen und eine Ausbildung zur energetischen Osteopathin.

Homöopathische Wirkungsweise

Um nun die homöopathische Wirkungsweise zu erklären, möchte ich einige wichtige Grundsätze aus dem,, Organon der Heilkunst,, von Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie, zitieren und erläutern. In der Einleitung zum Organon schreibt Hahnemann: ,,Wähle, um sanft, schnell, gewiss und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfall eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden für sich erregen kann, als sie heilen soll.“ Similia similibus curentur! Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden! Hahnemann holte die Simileregel aus der Vergessenheit wieder hervor. Bereits bei Hippokrates 460-361 v. Chr. tauchte die Simileregel auf, wenn er behauptet: Fieber wird unterdrückt durch das, was es erzeugt, und es erzeugt das was es unterdrücken kann. Was heißt das nun? Die homöopathischen Heilmittel stammen aus dem Pflanzenreich, dem mineralischen Bereich und dem Tierreich. Diese Mittel wurden und werden noch heute am Menschen und am Tier auf ihre Reaktion im Körper getestet. Diese Arzneimittelprüfungen werden an Gesunden durchgeführt. Hat nun ein erkrankter Mensch oder auch ein Tier Symptome, die einem homöopathischen Mittel gleichen, benötigt er genau dieses Mittel für seinen Heilungsprozess. Hahnemann machte z.b. mit China Rinde zunächst Selbstversuche und stellte die gleichen Symptome fest, die er auch bei seinen Malariaschüben bekam. Setzte er das Mittel ab verschwanden auch die Symptome.

Bei weiteren Prüfungen an Gesunden deckten sich auch dort die Symptome mit denen der Kranken. Bei Malariaschüben konnte er dann sich und auch andere Patienten mit China Rinde erfolgreich behandeln. So wurden von Hahnemann viele Substanzen an sich, an Bekannten und Studenten getestet. Da viele Ursubstanzen sehr giftig sind, begann Hahnemann sie zu verdünnen. Es entstand die homöopathische Potenzierung. 1805 wurden die ersten Arzneimittelprüfungen am Gesunden veröffentlicht. Seit dieser Zeit wurde die Homöopathie von einer Vielzahl von Ärzten, Kliniken und Praxen betrieben und weiter geprüft.

Es folgen nun ein paar Medikamente und Anwendungsmöglichkeiten.

Allium ceba ( Küchenzwiebel ) Fast jeder kennt die Wirkung der Küchenzwiebel beim schälen und schneiden nur zu gut. Es entsteht ein scharfes Brennen in den Augen mit reichlichem Tränenfluss und geröteten Schleim- und Bindehäuten. Anwendung findet dieses Mittel bei akuter Entzündung der Augen mit Rötung und viel wässrigem Sekret. Ebenso bei akutem Schnupfen mit viel Niesen, anfallsweißem Niesen und klarem reichlichem Nasenfluss mit Besserung im Freien.

Apis ( Honigbiene) Auch haben viele schon mit einem Bienenstich Bekanntschaft machen müssen. Er führt zur Entzündung und Ödembildung ( Gewebeschwellung) auf der betroffenen Haut oder Schleimhaut mit blassrötlichem Aussehen und mitunter wachsartiger Farbe. Wobei die Schwellung oft scharf gegen die Umgebung abgesetzt ist. Das Verlangen nach Abkühlung durch kalte Umschläge und die Unerträglichkeit gegen Berührung ist jedem, der von einer Biene gestochen wurde bekannt. Anwendung von Apis ist nun angezeigt, bei allen Entzündungen mit Ödembildung an Haut und Schleimhaut, Gelenken, Euter usw. Vor allem dann, wenn die betroffene Stelle sehr schmerzhaft ist und kalte Umschläge bessern.

Besonders für uns Meerschweinchenzüchter Interessante Mittel sind:

 Hydrocotyle asiatica. Unter Arzneimittelprüfung zeigt dieses Mittel wundrosenartige Rötung. Es entstehen fast kreisrunde haarlose Stellen mit leicht erhabenen abschuppenden Rändern und unerträglichem Hautjucken. Erinnert das nicht sehr an Hautpilz? Genau dort kann dieses Mittel angewendet werden und beschleunigt den Heilungsprozess.

Sulfur.  Die Hautsymptome bei Sulfur sind Haarbruch, Haut trocken, schuppig, aufgerissen, blutig mit heftigem Juckreiz, häufig spürbarer Hitze. Dieses Mittel kann man unterstützend bei Milbenbefall einsetzen.

Fortsetzung folgt

Neben wichtiger Theorie, gibt es weitere Beispiele für die praktische Anwendung am Tier.

Tierheilpraktikerin Annett Bauer Meerschweinchen vom Stallauer Berg