Die Grundregeln für die gesunde und ausgewogene Meerschweinchenernährung:

  1. Was du am Futter sparst oder falsch machst, das zahlst du an Tierarztkosten wieder drauf.
  2. Jedes Tier hat das Recht, eine artgerechte und seinen Bedürfnissen angepasste Ernährung zu bekommen. Hier steht der Halter in der Verantwortung.
  3. Eine artgerechte Ernährung wirkt sich gesundheitsfördernd und lebensverlängernd aus.
  4. Snacks und Leckereien aus dem Zoohandel gehören ebenso wenig in den Meerschweinchenkäfig, wie Süßigkeiten in die menschliche Ernährung und haben nichts mit Tierliebe zu tun.
  5. Nager- und Salzlecksteine sind für Meerschweinchen ebenso ungeeignet, weil sie die Blasen- und Nierensteinbildung fördern und gehören nicht in den Meerschweinchenkäfig.
  6. Es versteht sich eigentlich von selbst, aber Meerschweinchen sind keine Bioabfalltonnen. Deshalb darf nur Futter von guter Qualität, nach Möglichkeit aus biologischem Anbau verfüttert werden.
  7. Meerschweinchen sind reine Veganer, deshalb fressen sie keinerlei Fleisch- oder Milchprodukte. Sie sind nicht in der Lage, diese Nahrung zu verdauen.
  8. Ein Meerschweinchen darf wegen seines empfindlichen Verdauungssystems niemals hungern. Gesunde Meerschweinchen nehmen mindestens 60 kleine Mahlzeiten täglich zu sich, um ihre Verdauung in Schwung zu halten.
  9. Sie trinken nicht viel, aber dennoch benötigen sie täglich frisches Wasser.

 

Wie aber sieht so eine gesunde Ernährung aus?

Dazu sollte man wissen, was die wilden Vorfahren unserer domestizierten Hausmeerschweinchen in freier Natur zu sich nehmen: Gräser, gelegentlich deren Samen und Kräuter. Mehr nicht. Und das reicht? Ja , genau das reicht. Etwas anderes brauchen sie nicht.

Nun leben ja die Wildmeerschweinchen in sehr gemäßigten Klimazonen, in denen sie das ganze Jahr über Futter finden. Das können wir ihnen in unseren Breitengraden leider nicht bieten. Schon gar nicht, wenn man mitten in einer Großstadt lebt. Darum muss man ihnen geeigneten Ersatz bieten, den man ganzjährig zur Verfügung hat und den das Verdauungssystem der Meerschweinchen verarbeiten kann, ohne dass die empfindliche Darmflora beeinträchtigt wird.

Das wichtigste Grundnahrungsmittel, das der natürlichen Ernährung entspricht und ganzjährig erhältlich ist, auch in Großstädten, ist also: Heu.

Nun hat aber der Trocknungsvorgang der im Heu enthaltenen Gräser und Kräuter einen Vitaminverlust zur Folge, der langfristig Mangelerscheinungen bei den Meerschweinchen auslösen würde, die zur Folge hätten, dass die Tiere geschwächt und erkranken würden.

Deshalb müssen wir ihnen täglich 2-3 x Frischfutter anbieten. Dafür eignet sich, je nach Jahreszeit, auf jeden Fall gutes, handgemähtes oder gepflücktes Wiesengras mit Wiesenkräutern. Aber ACHTUNG, auf unseren heimischen Wiesen gibt es auch Giftpflanzen, die teils als Frischpflanze giftig sind (z.B. Hahnenfuß „alias Butterblume“), aber auch teilweise im getrockneten Zustand ihre toxische Wirkung (Schierling, Jakobskreuzkraut) nicht verlieren.

Außerdem sollte das Gras nicht an den Rändern von viel befahrenen Straßen gepflückt werden. Ebenso wenig von „Hundespazierstrecken“.

Schnittgut von Rasenmähern eignet sich nicht, da es sehr schnell in Gärung übergeht und außerdem Reste von Schmieröl enthalten könnte.

Die besten Rasenmäher sind sowieso unsere Meerschweinchen: Umweltfreundlich, selbstlaufend und mit eingebautem Düngerstreuer ;-)

Und wenn man kein Gras hat?
Dann kann man ihnen eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse und Obst anbieten. Dabei kann es aber durchaus vorkommen, dass die kleinen Gourmets das eine oder andere nicht so gerne mögen, obwohl es gesund wäre. Einfach immer wieder anbieten.  Irgendwann mögen sie es dann schon – vielleicht.

Was ist aber eine ausgewogene Ernährung, im Sinne der Meerschweinchen?

In erster Linie sollte man beachten, dass die Ernährung nicht zu Säurehaltig ist. Also nicht zuviel Obst,  mehr Gemüse. Das heisst aber nicht, dass man gar kein Obst füttern darf. Gerne werden süße Äpfel, ein Stückchen Melone oder auch mal eine Zwetschge oder Pfirsiche/Aprikosen gefressen. Gerade Äpfel sind mit ihrem Vitamin C Gehalt eine wertvolle Nahrungsergänzung.

Ich habe auch schon Warnungen gelesen, dass man Steinobst  wegen des Blausäuregehaltes im Kern nicht verfüttern sollte. Aber den Kern fressen Sie gar nicht, der ist ihnen zu hart. So dumm sind unsere Schweinchen nicht.

Aber bitte immer nur in kleinen Mengen, als Nascherei zwischendurch, damit die empfindliche Darmflora nicht durch den hohen Fruchtzuckergehalt aus dem Gleichgewicht gerät.

Eine Sonderstellung nehmen auch die Kräuter ein. Meistens haben sie einen sehr hohen Gehalt an ätherischen Ölen, die nicht immer gut verträglich für Meerschweinchen sind. Des weiteren sollte man beachten, dass viele Kräuter ja auch Heilmittel mit nachgewiesenen Wirkstoffen sind. Sie können nicht nur heilend wirken, sondern auch im Krankheitsfall eine schlechtere Wirkung zeigen, wenn sie regelmäßig gefüttert werden, da der sog. Gewöhnungseffekt eintritt. Das trifft natürlich erst recht für die im Fachhandel angebotenen reinen Kräuterpellets zu.  Es spricht aber nichts dagegen, wenn sie zwischendurch mal ein bisschen Dill naschen, und natürlich muss man die Wiesenkräuter auch nicht aus dem frisch gemähten Gras raussuchen. Unter den Kräutern hervorzuheben ist auch die Petersilie. Sie hat einen relativ hohen Vitamin C Gehalt und ist deshalb eine wertvolle und sehr beliebte Zusatznahrung bei unseren kleinen Freunden. Die wehen fördernde Wirkung der Petersilie kann man getrost vernachlässigen, denn sie müssten sie in extremen Mengen fressen um diese Wirkung zu erreichen, das schafft kein Meerschwein.

Kraftfutter, ja oder nein?

Das kommt auf die Haltungsform und die Lebensbedingungen der jeweiligen Meerschweinchen an.

Meerschweinchen in Innenhaltung, die nicht zur Zucht eingesetzt werden, benötigen (bei einer ausgewogenen Ernährung mit Frischfutter) normalerweise absolut kein Kraftfutter. Anders ist das bei Meerschweinchenweibchen, die zur Zucht eingesetzt werden und bei Meerschweinchen in ganzjähriger Außenhaltung. Hier darf es etwas mehr sein.

Welches Kraftfutter sich am Besten eignet, da gehen die Meinungen sehr stark auseinander. Aber in einem Punkt sind sich die meisten Züchter und Tierärzte jedoch einig. Es sollte einen möglichst geringen Getreideanteil, vorzugsweise in Form von Kleie, und einen möglichst hohen Rohfaseranteil enthalten. Körnermischungen sind wegen des Getreideanteils nicht geeignet. Also, sollte es ein Pelletfutter sein, das nach Möglichkeit auch noch mit stabilisiertem Vitamin C angereichert ist. Aber bei der Fütterung gilt hier auf jeden Fall: Weniger ist gesünder und niemals als Alleinfutter geben. Immer nur als Zusatznahrung. Haferflocken sind das einzige Getreide, das in dieser verarbeiteten Form eine Ausnahme bildet. Sie haben einen vergleichsweise niedrigen Stärkegehalt und durch die Verarbeitung zu Flocken sind sie für Meerschweinchen besser verträglich. Sie sind schnelle und gute Energiespender, deshalb kann man sie trächtigen Tieren, Jungtieren in der Aufzucht und säugenden Müttern füttern.

Durch zuviel Kraftfutter drohen Leberverfettung und Übergewicht.

 

Last, but not least: Das Trinkwasser.

Jeden Tag 1 – 2x frisches Trinkwasser sollte es schon sein. Dabei ist zu beachten, dass die Trinkgefäße täglich gereinigt werden um eine Verkeimung zu vermeiden. Besonders in der warmen Jahreszeit.  Ob das Wasser nun in der Tränke oder dem Napf  serviert wird, spielt dabei absolut keine Rolle. Hauptsache frisch ist es.

 

ERLAUBT

UNGEEIGNET/nur wenig füttern

VERBOTEN

Aubergine (nur ganz reif, keine grünen Pflanzenteile)

Aprikosen (hoher Zuckergehalt, Blausäure in den Kernen)

Ananas

Apfel (viel Vitamin C)

Bananen (hoher Zuckergehalt)

Avocado (giftig für Meerschweinchen)

Artischocke (ganze Pflanze)

Birnen (hoher Zuckergehalt)

Bärlauch (giftig)

Broccoli

Blattspinat (Oxalsäure)

Brot und Bäckereierzeugnisse

Chicoree (Zichoriensalat)

Kartoffeln (zuviel Stärke)

Fleisch und Fleischprodukte

Chinakohl

Kirschen (Blausäure in den Kernen

Getreidekörner

Erdbeeren (mit Grün)

Kiwi (Fruchtsäure)

Granatapfel

Fenchel

Maiskolben (Stärke)

Hülsenfrüchte (Bohnen,Erbsen,
Linsen)

Futterrüben (Runkelrüben)

Mangold (Oxalsäure)

Knoblauch (giftig)

gelbe Rüben/Möhren/Karotten

Melone (Zuckerhaltig)

Lauch

Golliwog

Nektarinen (Fruchtsäure, Blausäure in den Kernen)

Mango

Gräser und Getreide als ganze grüne Pflanze (bis zur Milchreife)

Pfirsiche (Fruchtsäure, Blausäure in den Kernen)

Meerrettich/Kreen

Gurke

Pflaumen (Fruchtsäure, Blausäure in den Kernen)

Nagersteine

Kohlrabi mit Blättern/

Rucola (Senföle)

Papaya

Kohl, alle Arten aber in Maßen und langsam daran gewöhnen

Süßkartoffel (Zucker und Stärkehaltig)

Pflanzenteile von Tomaten, Paprika, Kartoffeln

Küchenkräuter

Tomate (Säure)

Radieschen (zu scharf)

Kürbis (am liebsten Hokkaido) KEINE ZIERKÜRBISSE !

Weintrauben nur aus Bioanbau (Pestizid und Fungizidbelastung)

Rettich (zu scharf)

Mairübe

Zuckerrüben

Rhabarber (hoher Oxalsäuregehalt)

Mais, grüne Pflanzenteile,  Kolben nur bis zur Milchreife

Zweige von Steinobst, Holunder und Ziergehölzen

Salzlecksteine

Paprika (ohne Strunk)

 

Snacks aus dem Zoohandel

Pastinaken

 

Steinobst (Kerne enthalten viel Blausäure)

Petersilie (grün und Wurzeln)

 

Ziergehölze und Zimmerpflanzen (sind fast alle giftig)

Radieschenblätter

 

Zierkürbisse (die meisten Arten sind giftig)

Rote Beete, in geringen Mengen (Oxalsäure) verfärben Urin und Kot

 

Zitrusfrüchte

Rübstiel

 

Zwiebeln (giftig)

Salat, alle Arten aber in Maßen, enthält viel Nitrat

   

Sellerie (Stangen und Knollen)

   

Spargel (Harntreibend, in geringen Mengen und selten geben)

   

Steckrübe

   

Topinambur

   

Wildkräuter

   

Zuccini

   

Zweige von Apfel-Birnen-oder Quittenbäumen

   

Dringende Vorsicht ist auch bei den diversen Wildpflanzen und Zierpflanzen geboten. Es gibt unzählige giftige Pflanzen. Eine Auflistung der wichtigsten Giftpflanzen finden Sie auf der Seite Giftpflanzen. Wenn sie nicht sicher sind, ob eine Pflanze giftig ist oder nicht, oder ob es sich um die aufgelistete Pflanze handelt, empfehle ich Ihnen sich hier zu informieren:

http://www.giftpflanzen.com/ Bei Giftpflanzencompendium finden sie eine fachlich fundierte fachlich fundierte Auflistung von unglaublich vielen Giftpflanzen (mit Bildern).

 

Eva.M.Ganslmeier, Landshuter Moppelbande, www.meerschweinchen-landshut.de